Wie läuft ein Marktplatz ab?

Die Vertreter von gemeinnützigen Organisationen und Wirtschaftsunternehmen kommen in einem großen Saal für wenige Stunden zusammen. Anders als beim üblichen Markttreiben werden keine handfesten Produkte feilgeboten, sondern Engagementangebote: Dienstleistungen, Wissen, Infrastruktur, Netzwerke und Kreativität werden ausgetauscht.

Mit dem Start-Gong beginnt die lebhafte Suche nach passenden Partnern für die Tauschgeschäfte. Angeregt durch den Moderator und unterstützt von den Maklern kommt man in den Handelsecken miteinander ins Gespräch, knüpft Kontakte und schließt Vereinbarungen ab. Diese werden anschließend von den Experten geprüft und gegengezeichnet. Und schon sucht man neue Handelspartner, um möglichst viele „Gute Geschäfte“ zu machen.

Den Formen und Inhalten des vereinbarten Engagements sind auf einem Marktplatz keine Grenzen gesetzt, nur Geld ist tabu. Das gegenseitige Geben und Nehmen ist kein Dogma. Die  Ergebnisse können so vielfältig sein wie die beteiligten Unternehmen und Organisationen, ihre Nachfragen und Angebote.
Hier einige praktische Beispiele:

  • Ein Sportverein sucht Transportmöglichkeiten für eine spezielle Veranstaltung. Ein Unternehmen stellt diese zur Verfügung und erhält dafür Unterstützung bei der Organisation eines Betriebssportfestes.
  • Eine Schule erhält Unterstützung bei der Suche nach Praktikumsplätzen für ihre Schüler durch eine Zeitarbeitsfirma; Diese kann hierdurch neue Kontakte zu Unternehmen knüpfen.
  • Ein Jugendhilfeverein bietet ein Teamtraining für die Auszubildenden einer Bank an. Die Bank unterstützt die Ausrüstung des Computerkabinetts mit ausrangierten PCs.
  • Ein Kunstverein bekommt in einem Unternehmen die Möglichkeit zur Ausstellung von Arbeitsergebnissen. Das Unternehmen erhält Leihgaben zur Gestaltung seiner Räumlichkeiten.

Nach 1-2 Stunden ist alles vorbei. Der Schluss-Gong ertönt und die Zahl der Vereinbarungen wird verkündet.

Mit einem Glas Sekt oder Saft wird auf die „Guten Geschäfte“ angestoßen. Das war es. Fast. Denn in der Folge geht es natürlich darum, die geknüpften Kontakte zu halten und zu pflegen und die getroffenen Vereinbarungen für beide Seiten gewinnbringend umzusetzen.

Marktplatzregeln

So gelangen die Teilnehmer in sieben Schritten zur erfolgreichen Partnerschaft:

  1. Nach dem Start gehen alle Teilnehmer in die Handelsecke, die thematisch zu ihrer Nachfrage bzw. zu ihrem Angebot passt. Wird Unterstützung bei der Partnersuche gebraucht, wenden sie sich an einen Makler.
  2. Sie kommen miteinander ins Gespräch und erkunden, ob Angebot und Nachfrage zueinander passen und welche Kooperationsmöglichkeiten entstehen können.
  3. Die Frage nach Geld bzw. finanzieller Unterstützung ist tabu.
  4. Mit dem Gesprächspartner werden Visitenkarten ausgetauscht, damit sich die Akteure auch nach dem Marktplatz miteinander verständigen können, wenn sie jetzt keine konkrete Vereinbarung getroffen haben.
  5. Vereinbarungen über Engagementleistungen werden auf den bereitliegenden Formularen schriftlich festgehalten.
  6. Gemeinsam gehen die Partner mit der ausgefüllten und unterzeichneten Vereinbarung zum Expertenteam. Dort wird die Vereinbarung gegen gelesen, der Wert geschätzt und die Angaben registriert. Jeder Handelspartner erhält eine Kopie der Vereinbarung.
  7. Innerhalb der nächsten drei Wochen nehmen die Akteure Kontakt zu einander auf, konkretisieren die getroffenen Vereinbarungen und treffen sonstige erforderliche Absprachen.

Und nicht zuletzt:

Den Organisatoren des Marktplatzes sollte eine Rückmeldung zur Umsetzung der Vereinbarung gegeben werden. Und bei der kreativen Umsetzung interessanter Vereinbarungen sollte die Presse eingebunden werden.

Diese Personen spielen auf Marktplätzen eine wichtige Rolle:

Moderator

Der Moderator erklärt die Regeln der Veranstaltung, veranlasst Start- und Schlusszeichen, veröffentlicht Fragen und Anregungen, motiviert zum Handeln und moderiert so den gesamten Veranstaltungsablauf.

Makler

Die Makler kennen die teilnehmenden Akteure, deren Angebote und Nachfragen. Sie unterstützen die Teilnehmer bei der Suche nach geeigneten Handelspartnern und vermitteln Kontakte. Sie sind durch ein auffälliges Zeichen (Schärpe, Weste, T-Shirt o.ä.) trotz Trubel für alle gut erkennbar.

Experten

Die Experten sitzen etwas außerhalb der Handelszone. Sie prüfen die geschlossenen schriftlichen Vereinbarungen auf ihre Verhältnismäßigkeit und schätzen ihren Wert. Sie zeichnen die Vereinbarungen gegen und geben jedem der Kooperationspartner eine Kopie mit.

Helfer

Die Helfer unterstützen alle Veranstaltungsbereiche. Am Eingang geben sie die Namensschilder aus - farblich verschiedene an Gemeinnützige, Unternehmer und Gäste. Denn jeder soll ja gleich sehen, mit wem er es zu tun hat. Die Experten werden mit Kopierarbeiten und beim Führen der Vereinbarungslisten unterstützt. Zum Ende hin können Helfer ggf. die Getränke ausgeben.