Fachtagung „Nachbarschaftsnetzwerke in Thüringen“

 

Aktuelle Zahlen – Potentiale – Perspektiven

Am 15. März 2017 fand im altehrwürdigen Festsaal des Erfurter Rathauses die Fachtagung „Nachbarschaftsnetzwerke in Thüringen“ statt. Organisiert und ausgerichtet wurde sie von der Thüringer Ehrenamtsstiftung in Kooperation mit dem Landesseniorenrat Thüringen.

Die Frage "Wie kann ich meinen Alltag ohne familiäre Hilfe bewältigen?" wird unter dem Eindruck demografischer Entwicklungen, der Lebenssituation in ländlichen Räumen sowie dem Thema Altersarmut immer drängender. Organisierte Nachbarschaftsnetzwerke, insbesondere die deutschlandweit 220 Seniorengenossenschaften stellen deshalb einen Ansatz dar, sich diesen Herausforderungen zu stellen. 

Im Rahmen der Fachtagung im Erfurter Rathaus wurden Denkanstöße zur Bewältigung der demografischen Herausforderungen in Thüringen vermittelt und in Form einer Podiumsdiskussion vertieft. Loring Sittler, ehemaliger Leiter des Generali Zukunftsfond und aktuell Projektleiter „Transparenz-leicht-gemacht“ führte durch die Veranstaltung und skizierte zu Beginn die demografischen Herausforderungen und den Wert der Selbstorganisationsfähigkeit und Eigenverantwortung der Bürger_innen. Mit einer Sonderauswertung des Generali Engagementatlas 2015 für Thüringen, gab Sittler einen Überblick zu den Strukturen der Engagmentförderung und personellen Ausstattung in Thüringen.

Uwe Amrhein, Vorstand der Stiftung Bürgermut, nahm die „verbindlichen Nachbarschaftshilfen“ unter die Lupe und präsentierte Zahlen, Formen und Leistungen der Seniorengenossenschaften. Deren Potenzial als Form der Gemeinwohlproduktion stellte im Anschluss Prof. Dr. Rolf Heinze von der Ruhr-Universität Bochum vor.

Auch der Blick über die Landesgrenzen zur Freiwilligenagentur Marburg-Biedenkopf sollte viele Anregungen zum Ausbau und der Verstetigung von Netzwerken einbringen. Die lokalen Bedingungen, die Verschiedenartigkeit der Regionen, Ortschaften und Stadtteile sollte zu der Erkenntnis führen, dass es kein Patentrezept gibt, sondern ein individuelles Vorgehen notwendig ist. Hier erkannten die Teilnehmer_innen viele Parallelen zu Thüringen. In unserem Bundesland gibt es bereits vielfältige Ansätze organisierter Nachbarschaftshilfen.

Zu Gast waren interessierte Mitarbeiter_innen und Ehrenamtliche aus Vereinen, Verbänden, Seniorenprojekten, Freiwilligenagenturen, kommunale Vertreter_innen sowie Vertreter_innen der Thüringer Seniorenbüros und –beiräte. Ziel war es, im Dialog die Potentiale von Nachbarschaftsnetzwerken zu erörtern und eine Perspektive für den Ausbau dieser Strukturen in Thüringen zu erarbeiten. So wurde am Nachmittag im Rahmen der Podiumsdiskussion das Spannungsfeld zwischen starkem, fürsorgenden Staat und der Teilhabe und Mitbestimmung durch Bürgerengagement diskutiert.

Wir danken allen Referenten für ihre fundierten Beiträge zur Ausgestaltung der Fachtagung!

 

Zu den Vorträgen:

Die demografischen Herausforderungen und die Ausgangslage in Deutschland
Loring Sittler, Projektleiter „Transparenz-leicht-gemacht“

Zahlen und Fakten zur Ausgangslage
Uwe Amrhein, Vorstand der Stiftung Bürgermut

Das Potential des Genossenschaftsprinzips als aktuelle Form einer Gemeinwohlproduktion im Mix
Prof. Dr. Rolf Heinze, Ruhr-Universität Bochum

Nachbarschaftsnetzwerke in Hessen - und was Thüringen daraus lernen kann
Katja Kirsch, Freiwilligenagentur Marburg-Biedenkopf

 

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