Thüringer des Monats Januar

26.01.2018 13:27

Roland Schmidt aus Benshausen ist unser Thüringer des Monats Januar

Bildquelle: MDR Thüringen, Foto: Michael Bauroth

Bekannt weit über Thüringen hinaus ist er mit seinem Spitznamen „Birx“. Den hat er, weil seine Vorfahren aus dem kleinen Ort in der Rhön im Dreiländereck zwischen Bayern, Hessen und Thüringen stammten. Roland Schmidt ist wohl wie kein zweiter mit dem Biathlon-Weltcup in Oberhof verbunden. Anfang Januar hat er dort am Rande der Wettkampfstrecken seinen 80. Geburtstag gefeiert. Lange Jahre war er in der Arena am Grenzadler der Streckenchef. Und er hat eigenhändig den Teil der Weltcup-Loipen mitgebaut, für den Oberhof weltbekannt ist. Der steile Anstieg kurz nach dem Schießstand, wo ein paar Tausend Zuschauer dicht gedrängt stehen und die Sportler lautstark anfeuern, der trägt seinen Namen: Birxsteig.

Roland Schmidt erinnert sich gern an die Zeit, als das Biathlon-Stadion im Vorfeld der Heim-WM von 2004 umgebaut wurde. Der Schießstand musste „gedreht“ werden und es gab viel Erdaushub – bei den Planern allerdings noch keine klare Vorstellung, wohin damit. Kurz entschlossen und in Eigeninitiative haben deshalb Roland Schmidt und einige andere Helfer „eine Ladung Bäume im schönen Thüringer Wald ausgeforstet und weggezerrt und haben den Erdaushub in diesen Steig hinein geschafft“.

Auch das hölzerne Hinweisschild für diesen Streckenabschnitt wie für viele andere, zum Beispiel jüngst die „Henkel-Schleife“, hat Roland Schmidt selbst geschnitzt und aufgestellt.

Angefangen hat für ihn alles vor 40 Jahren, als ihn 1978 ein Freund aus Benshausen überredete, an der Sportschule am Harzwald einen Kampfrichterlehrgang mitzumachen. Vor den ersten Oberhofer Skispielen 1983 folgte noch eine höhere Kampfrichter-Qualifikation. Ein Jahr später wurde Oberhof Weltcup-Ort. Und Roland Schmidt war zunächst am Schießstand eingesetzt, war dann für mehrere Jahre Stadionchef und später – auch zur WM 2004 – Streckenchef.

An der Strecke ist der 80-Jährige auch heute noch zu finden. „Ein bisschen Schnee schippen“ sagt er bescheiden, wenn es darum geht, Gefahrenstellen zu beseitigen und die Spur optimal zu präparieren. Roland Schmidt steht nicht gern selbst im Mittelpunkt, für ihn sind eher die kleinen Dinge wichtig. – Und auch die kleinen Sportler.

In seinem Heimatort engagiert er sich für den Skispringer-Nachwuchs im TSV 1883 Benshausen. Die Abteilung Wintersport hat er vor mehr als 20 Jahren gemeinsam mit einigen Sportkameraden ins Leben gerufen und zwei kleine Sprungschanzen für die Jüngsten bei den Nordischen Kombinierern und Skispringern gebaut. Das geht dem ehrenamtlich engagierten gelernten Werkzeugmacher mit seinem handwerklichen Geschick leicht von der Hand. Und auf die sportlichen Erfolge, zum Beispiel bei „Jugend trainiert für Olympia“ ist er stolz. Zwei Mädchen aus Benshausen stehen derzeit ganz oben in der Thüringer Rangliste bei der Nordischen Kombination. Aber schon für die Kinder ist die richtige Ausrüstung eine Frage des Geldes. Deshalb freut sich Roland Schmidt darüber, dass mit seiner Auszeichnung als „Thüringer des Monats“ auch 500 Euro vom MDR verbunden sind. Die sollen dem Benshausener Wintersport-Nachwuchs zu Gute kommen, sagt er.

Persönlich gibt es für ihn aber auch etwas, das ihn besonders glücklich machen würde: „Wenn im Jahr 2023 die Biathlon-WM nach Oberhof käme und ich dann noch einmal in meinem hohen Alter hier Ehrengast wäre, das wäre mein sehnlichster Wunsch. Daran werde ich arbeiten, dass ich fit bleibe.“

 

Presse: Freies WortSüdthüringer Zeitung vom 18. Januar 2018