Thüringerin des Monats November

07.12.2017 11:18

Gisela Köhler aus Weimar ist unsere Thüringerin des Monats November.

Bild: mdr

Seit fast dreißig Jahren leitet sie in Weimar den Verein Kaleb e.V., der jungen Müttern, Familien und Schwangeren Unterstützung anbietet und sich für das Wohl der Kinder einsetzt.
"Jedes Kind ist eine Bereicherung durch seine Individualität, durch seine Begabung und durch seine Einmaligkeit" so Gisela Köhler.

Gisela Köhler ist selbst Mutter von sechs Kindern, hat bereits sieben Enkel "und da kommen noch mehr", freut sie sich. Aber sie hat selbst erfahren, wie schwer die Entscheidungen sein können, die werdende Mütter treffen müssen. Vor der Geburt ihrer fünften Tochter war sie bereits 40 Jahre alt. Die Ärzte in Jena fragten sie damals, ob sie das Kind wolle oder nicht. "Da war ich schockiert", sagt Gisela Köhler, "eine richtige Beratung gab es damals nicht in der DDR." Sie selbst sei sehr froh, dass sie leben dürfe. 1948 hätte man ihrer Mutter gesagt, sie habe doch schon ein Kind, da gebe es doch "Möglichkeiten".

Deshalb liegt es Gisela Köhler am Herzen, jungen Frauen Mut zu machen und ihnen zu sagen, wie viel Freude ein jedes Kind bereitet. Der Verein ist vernetzt mit anderen Gruppen, denn Hilferufe kommen aus ganz Thüringen. Dann fahren Gisela Köhler und ihre ehrenamtlichen Unterstützerinnen entweder zu den Frauen oder bieten die Beratung im Mutterhaus des Sophienstifts in Weimar an. Dort hat der Verein seinen Sitz. Organisiert ist der Verein Kaleb e.V., der in Weimar gegründet wurde, längst bundesweit. Die Zentrale befindet sich in Chemnitz. "Alle Frauen, die den Weg zu uns gefunden haben, bereuen es nicht. Es ist eine schöne Arbeit, weil sie so dankbar sind" sagt Gisela Köhler. 

Und zu dieser Arbeit gehört noch so viel mehr für die insgesamt 28 Mitstreiterinnen und Mitstreiter im Verein Kaleb. Für all diese nahm Gisela Köhler die Auszeichnung als "Thüringerin des Monats" stellvertretend entgegen. Die frühere Krankenschwester hält mit weiteren Helfern regelmäßig Vorträge an Schulen in einem Projekt zur Aufklärung. In diesen geht es zum Beispiel um die Entwicklung des Kindes vor der Geburt aber auch um Tipps für werdende Eltern.
 Der Verein leistet außerdem sehr praktische Hilfe: In den Kellerräume des Sophienstifts sind große Lagerräume und eine Ausgabestelle für Kindersachen, Kinderwagen und Babybettchen. Die gespendeten Sachen können kostenlos abgegeben werden, daher ist immer genug da. Wer Hilfe sucht, bekommt die Stücke gegen eine kleine Spende. Außerdem unterstützt der Verein Flüchtlinge, Afghanen, Russlanddeutsche und Syrer, aber auch ausländische Studenten zum Beispiel aus Indien oder China. Einmal galt es den Bedarf an Decken, Bettwäsche und Handtüchern für Flüchtlinge in der Türkei zu decken. Nach Aufrufen in Kirchen kamen viele Spenden zusammen, die in einem großen Container in die Türkei geschickt wurden. Und von dort zurück kamen Dankesbriefe.

Gisela Köhler kann sich bei ihrem Engagement auf die Unterstützung durch ihren Mann verlassen. Sie möchte auch noch eine Weile weiter machen, obwohl sie schon ein paar Jahre im Rentenalter ist. Nachfolgerinnen für den Verein habe sie zwar schon gefunden, die würden aber gerade noch ihre eigenen Kinder betreuen.

Dass Gisela Köhler ein besonders großes Herz für Kinder hat, zeigt sie noch an anderer Stelle. Jeden Monat begleitet die frühere Krankenschwester im Hufelandklinikum den Gottesdienst für Neugeborene musikalisch an der Orgel oder mit der Gitarre.