Thüringerin des Monats Februar

24.02.2017 13:15

Erika Apel aus Eisenach ist unsere Thüringerin des Monats Februar. Sie singt mit den Senioren im Pflegeheim "St. Annen", geht mit ihnen spazieren und hilft im Leseclub der Grundschule - selbst sitzt sie im Rollstuhl.

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Wir zeichnen im Februar gemeinsam mit dem mdr Thüringen eine ganz besondere Frau als „Thüringerin des Monats“ aus: Erika Apel aus Eisenach. Seit ihrer Kindheit ist sie auf den Rollstuhl und auf Hilfe angewiesen. Sie engagiert sich aber auch selbst für andere Menschen, bringt den Bewohnern eines Senioren- und Pflegeheims Freude beim gemeinsamen Singen und unterstützt Kinder beim Lesen lernen.

Ihr Markenzeichen ist das Lächeln in ihrem Gesicht, wenn sie Menschen trifft, mit ihnen spricht und für sie da ist. Das ist ein besonderes Gen, das sie von Geburt an mitbekommen hat, erzählt die zierliche Frau schmunzelnd. Aus eigener Erfahrung will sie Mut machen, Lebensfreude bringen, wenn andere traurig sind.

Erika Apel ist wegen einer schweren Krankheit seit dem 6. Lebensjahr auf einen Rollstuhl und auf Hilfe angewiesen. In erster Linie hat sie ihr Mann unterstützt, mit dem sie 40 Jahre lang verheiratet war. „Er hat mich auf Händen getragen. Wir sind drei Mal um die Welt gereist, trotz Rollstuhl.“ Um so größer und schmerzhafter war der Verlust, als ihr Mann vor vier Jahren verstorben ist. „Das war grausam“, sagt sie. Und doch hat sie sich nicht entmutigen lassen. Schon zu DDR-Zeiten und später in der Diakonie hat sie sich immer für bedürftige Menschen eingesetzt. Deshalb hat sie schnell den Weg zu den Bewohnern des Senioren- und Pflegeheims „St. Annen“ gefunden. Jede Woche organisiert die 66-Jährige dort gemeinsame Singnachmittage. Das macht den älteren Menschen großen Spaß, rund 20 sind immer dabei. Hauptsächlich bekannte Volkslieder stehen auf dem Programm. Erika Apel hat dafür extra illustrierte Liederbücher zusammengestellt. 36 sind es inzwischen, mit jeweils 40 Seiten. Schon auf den Gängen des Heims wird sie angesprochen, zum Beispiel auch von einer demenzkranken Frau, die gern mitsingt, vor allen Dingen das Lied „Ich gehe mit meiner Laterne...“. Zur Begrüßung sagt sie immer: „Rabimmel rabammel rabum – ge, Frau Apel.“

Unsere Thüringerin des Monats unterstützt auch einen 80-jährigen erblindeten Mann aus dem Seniorenheim „St. Annen“, mit dem sie gemeinsame Spaziergänge unternimmt. Er hält sich dabei an ihrem Rollstuhl fest und sie erklärt ihm, was es in der Umgebung zu sehen gibt. „Das ist mein Horst“, erzählt sie mit leuchtenden Augen. „Er ist noch gut zu Fuß, wir schaffen so zwei bis drei Kilometer bei jedem Spaziergang.“ Erika Apel lässt ihn je nach Jahreszeit mit seinen Händen die Früchte von Bäumen erfühlen oder die Mauer eines Brunnens ertasten. „Er kennt die ganze Strecke auswendig“, freut sie sich.

Auch im Nachbarschaftszentrum in der Eisenacher Goethestraße hat Erika Apel regelmäßige Termine. Hier trifft sie sich mit Grundschülern im Leseclub. Auf lockere Art übt sie hier mit den Kindern, empfiehlt ihnen Bücher und singt auch mit ihnen.

Der Eisenacher Sozialdezernent und stellvertretende Bürgermeister Ingo Wachtmeister würdigt das Engagement von Erika Apel. Menschen wie sie mit einem offenen Herz und einem offenen Auge, die sehen, wenn Mitbürger Hilfe benötigen, die brauche die Gesellschaft ganz dringend. „Sie ist ein gutes Beispiel dafür, wie in der Stadt das Miteinander gut funktionieren kann.“
Die bescheidene Frau sieht ihr Engagement selbst als ein kleines Tröpfchen im großen Meer. „Wenn ich gesund wäre, dann würde ich gern Tag und Nacht arbeiten. Das ist so meine Art“, sagt sie. Deshalb bewundere sie diejenigen, die sich für andere aufopfern und dafür rund um die Uhr alles tun.