Bürgerschaftliches Engagement fördern und stärken:

Bürgerschaftliches Engagement fördern und stärken:

Leistungs- und Ausstattungsprofil von Freiwilligenagenturen / Strukturempfehlungen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen e.V.


Die offene, engagierte Bürgergesellschaft ist ein wesentlicher Teil unseres demokratischen Gemeinwesens. Die Freiwilligenagenturen geben dazu in vielen Kommunen Impulse und hel-fen so mit, soziale Herausforderungen vor Ort zu gestalten, die Gemeinschaft zu stärken und Lebensqualität zu fördern. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Schirmherr der bagfa
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (bagfa) e.V. wurde 1999 als gemeinnütziger, partei- und konfessionsunabhängiger Verein von Vertreter/innen lokaler Freiwilligenagenturen gegründet. Ziel der bagfa ist es, Freiwilligenagenturen in ihrer Rolle als lokale Expertinnen und Anlaufstellen des bürgerschaftlichen Engagements zu stärken. Bürgerschaftliches Engagement1 bedeutet für die bagfa unentgeltliches Mitwirken und Mitgestalten, Übernehmen von Verantwortung für gesellschaftliche Belange in allen Bereichen sowie Einbringen und Realisieren von Ideen und Projekten.
Als Dach- und Fachverband, der mit den unterschiedlichen Profilen von Freiwilligenagenturen vertraut ist, hat die bagfa in dem Qualitätsmanagementsystem: „Erfolgreich arbeiten in Freiwilligenagenturen“ Qualitätskriterien einer Freiwilligenagentur definiert. Entsprechend empfiehlt die bagfa folgende Standards für die Arbeit und Ausstattung von Freiwilligenagenturen.

1.Bedeutung von Freiwilligen-agenturen für die Kommune

Freiwilligenagenturen sind eine elementare Infrastruktur zur Unterstützung einer lebendigen und offenen Bürgergesellschaft: sowohl als Anlauf- und Beratungsstellen für alle Menschen, die sich engagieren, als auch für alle Organisationen, Vereine und Initiativen, die mit Freiwilligen arbeiten möchten.

2. Profile von Freiwilligenagenturen

Die Lebensqualität, das soziale Miteinander und die Zukunftsfähigkeit einer Kommune hängen auch wesentlich davon ab, wie sich ihre Bürgerinnen und Bürger freiwillig engagieren und einbringen können. Damit dieses Engagement kreativ und verlässlich ist und positiv in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen wirken kann, haben Freiwilligen-agenturen sich den Auftrag gegeben, es zu stärken, zu fördern und zivilgesellschaftlich zu verankern.
Sie informieren, beraten und qualifizieren Menschen, sich einzubringen und einer frei-willigen Tätigkeit nachzugehen, die zu den eigenen Vorstellungen und Fähigkeiten eben-so passt wie zu den Bedarfen vor Ort. Als Engagement-Expertinnen, die die Situation und die Themen der jeweiligen Kommune kennen, unterstützen Freiwilligenagenturen Vereine, entwickeln Konzepte und Projekte – auch in Kooperation mit anderen Akteuren. Umfassend vernetzt und eingebunden, geben sie dem bürgerschaftlichen Engagement in seiner Vielfalt einen Ort und eine Stimme.
Mit ihrer Arbeit ebnen Freiwilligenagenturen so Wege des Miteinanders, die für jedes demokratische Gemeinwesen grundlegend sind. Sie ermöglichen, dass Bürgerinnen und Bürger das kommunale Leben mitverantwortlich gestalten können – mit den eigenen Kompetenzen, Erfahrungen und Interessen. Damit Freiwilligenagenturen in diesem Sinne arbeiten können, brauchen sie ein Mindestmaß an materieller und personeller Ausstattung.

3. Aufgaben und Leistungen einer Freiwilligenagentur

 

a) Beratung, Vermittlung und Qualifizierung
• Information über mögliche Einsatzfelder und konkrete Modalitäten des Engagements
• Beratung von Bürger/innen, die Interesse an einem freiwilligen Engagement haben
• Vermittlung von Interessierten in ein Engagement, dabei auch die Ermöglichung gemeinsamer Einsätze von Gruppen, Teams und Mitarbeiter/innen von Unternehmen und Verwaltungen (z.B. in Form von Social Days)
• Beratung von gemeinwohlorientierten Organisationen, Vereinen, Initiativen, die mit Freiwilligen zusammenarbeiten möchten
• Information über Rahmenbedingungen einer gelingenden Zusammenarbeit von beruflichen und freiwilligen Mitarbeiter/innen (Freiwilligenmanagement)

b) Projektentwicklung und Kooperationen
• Entwicklung von Projekten und Ansätzen, wie bürgerschaftliches Engagement zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen beitragen kann
• Umsetzung von Projekten in eigener Trägerschaft oder in Kooperation mit anderen Akteuren
• Vernetzung und Zusammenarbeit mit gemeinnützigen Organisationen, zivil-gesellschaftlichen Projekten, Initiativen und staatlichen Einrichtungen, um das Feld des bürgerschaftlichen Engagements zu erweitern, neue Einsatzorte zu erschließen und den qualifizierten Umgang mit Freiwilligen zu fördern

c) Interessensvertretung für das bürgerschaftliche Engagement
• Beteiligung an politischen und fachlichen Diskursen zur Förderung und Etablierung des bürgerschaftlichen Engagements in allen gesellschaftlichen Feldern
• Vernetzung von Akteuren aus Zivilgesellschaft, Staat und Wirtschaft zur Weiterentwicklung der Engagement-kultur vor Ort
• Schaffung von Räumen für Diskussionen, um die Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements für die Gesellschaft sichtbar zu machen

 4. Grundausstattung einer Freiwilligenagentur

a) Personal
Viele Freiwilligenagenturen sind durch Freiwillige initiiert worden. Es hat sich bald gezeigt, dass Agenturen, die den Anspruch einer Infrastruktureinrichtung mit umfassender Leistungs- und Angebotsstruktur realisieren wollten, ein Kernteam von beruflichen Mitarbeiter/innen benötigen, um ihre Potenziale entfalten und die an sie gestellten Erwartungen erfüllen zu können. Ein hauptamtliches Team soll die Kernaufgaben der Freiwilligenagentur absichern und die Grundlage für weitere Aktivitäten schaffen (u.a. Akquise von Drittmitteln).

Es sollten folgende Arbeitsbereiche mit hauptamtlichen Stellen(-anteilen) ausgestattet werden:
• Leitung: Projekte, Öffentlichkeitsarbeit, Kooperationen und Vernetzung
• Freiwilligenberatung und -koordination
• Büroorganisation und Verwaltung

Das Team wird um freiwillige Mitarbeiter/innen ergänzt, die auch in Kernbereichen der Freiwilligenagentur mitwirken können. Hierbei ist zu beachten, dass entsprechende Mittel für ein professionelles Freiwilligenmanagement (z.B. Auslagenersatz, Anerkennung) verfügbar sind. Je nach Schwerpunkt-setzung und gewähltem Profil ändert sich der Bedarf an beruflichen Mitarbeiter/innen und Freiwilligen.

b) Standort und Räume
Der Standort einer Freiwilligenagentur sollte zentral und gut erreichbar, die Räume möglichst barrierefrei und gut ausgeschildert sein. Der Bedarf an Räumen und Ausstattung hängt auch hier von dem gewählten Profil und den damit verbundenen Aufgaben ab. Grundsätzlich soll mindestens ein Büroraum mit zeitgemäßen Arbeitsplätzen (eigener Telefonanschluss, Internetzugang, moderne Hard- und Software, auf Freiwilligenagenturen zugeschnittene Datenbank) vorhanden sein. Die Freiwilligenagentur verfügt über einen separaten, einladend gestalteten Beratungsraum und Sanitärräume. Abhängig von der Team-größe und zum Beispiel regelmäßig stattfindenden Qualifizierungen sollten weitere Besprechungs- und Sozialräume zur Verfügung stehen.

c) Erreichbarkeit
Grundsätzlich soll eine Agentur an allen Werktagen telefonisch und per E-Mail erreichbar sein. Die Freiwilligenagentur bietet in ihren Öffnungszeiten (von mindestens 15 Stunden) auch feste Zeiten für individuelle Beratungen von Freiwilligen und Organisationen, Vereinen und Initiativen an. Diese Zeiten umfassen auch regelmäßige Termine außer-halb der üblichen Geschäftszeiten, um Menschen zu erreichen, die berufstätig sind.
Die Öffnungs- und Beratungszeiten sollten regelmäßig veröffentlicht werden. Auch die Beratung an unterschiedlichen Orten sollte ermöglicht werden, um so niedrigschwellig für viele Menschen erreichbar zu sein.

d) Öffentlichkeitsarbeit
Zur Mindestausstattung einer Freiwilligenagentur gehört eine nutzerfreundliche Web-seite u.a. zur Präsentation aktueller Engagementangebote und Veranstaltungshinweise. Wichtig ist zudem die Präsenz in sozialen Medien und auf lokal relevanten Internetplatt-formen. Zur Grundausstattung gehören außerdem Materialien zur Ansprache verschiedener Zielgruppen (z.B. Plakate, Flyer, Broschüren).