Ehrenamt ist praktizierte Nächstenliebe

12.11.2008 11:15

Beeindruckende Geschichten vom freiwilligen Einsatz für die Mitmenschen oder: vom stetigen Bohren dicker Bretter

Da ist das Ehepaar, welches vor über 30 Jahren ein vernachlässigtes Kind aufnahm, obwohl es bereits drei eigene Kinder hatte. Da ist der Berg-Fan, der mit seinem Fachwissen als Bauingenieur für seinen Verein Werte von über einer halben Million Euro schuf. Da ist die Frau, die seit 16 Jahren Ideengeber, Organisatorin und Regisseur großer Festumzüge ist. Da ist der Veteran, der seit fast 60 Jahren einer Freiwilligen Feuerwehr angehört. Und da sind all die Frauen und Männer, die schon so lange und ganz freiwillig einsame alte Menschen, Demenz- und Parkinsonkranke besuchen....

Das Ehrenamt hat eben sehr viele Gesichter, wie zur Würdigung Ehrenamtlicher während eines Festaktes in der Musikschule deutlich wurde. 59 Frauen und Männer, die allesamt in den unterschiedlichsten Betätigungsfeldern langjährige Verdienste haben, wurden dort Samstagvormittag geehrt. Das Gefühl der Befriedigung, dass auch ihre ehrenamtliche Arbeit öffentlich gewürdigt wird, stand vielen ins Gesicht geschrieben.

Landrätin Christine Zitzmann, Initiatorin der Veranstaltung, verzichtete hierbei auf eine lange Einleitungsrede, sondern rückte ganz die Verdienste der versammelten Ehrenamtler in den Mittelpunkt. Für diese war es denn auch ein bewegender und berührender Augenblick, aus den Händen der Politprominenz Blumen, Urkunden und Präsente entgegenzunehmen. Noch mehr aber freute die Geehrten die persönliche Würdigung, die die Landrätin einem jeden zuteil werden ließ, indem sie die Verdienste aufzählte, auf Grund derer Sie oder Er für die Ehrung vorgeschlagen worden waren.

Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann, sondern was Du für Dein Land tun kannst! Wer erinnert sich nicht an diese berühmten Worte aus der Amtseinführungsrede des US-Präsidenten John F. Kennedy. Man könnte in Abwandlung dieses doch recht von Patriotismus geprägten Zitates auch einfach so formulieren: Frage nicht, was die Gesellschaft, in der Du lebst, für Dich tun kann, sondern was Du für diese Gesellschaft tun kannst. Die am Wochenende geehrten Frauen und Männer haben dies getan. Und die Resultate ihres Tuns können sich sehen lassen. Wichtig ist auch, dass auf ihr ehrenamtliches Engagement und ihre ehrenamtliche Arbeit genau das zutrifft, was Wilhelm Staudacher, der Generalsekretär der Konrad-Adenauer-Stiftung, einmal so ausdrückte, als er von der Unumgänglichkeit eines nachhaltigen Bewusstseinswandels in unserer Gesellschaft von der Notwendigkeit einer aktiven Bürgergesellschaft sprach. Er sagte: Notwendig ist für diesen Bewusstseinswandel und die Schaffung angemessener Rahmenbedingungen, vor allem Nachhaltigkeit. Die Bürgergesellschaft wird nicht durch kurzlebige und kurzatmige Initiativen, sondern nur durch langfristiges Bohren dicker Bretter vorangebracht.

Irgendwann braucht es jedoch, um dieses stetige Bohren dicker Bretter auf Dauer durchzuhalten zu können, aber auch Formen der öffentlichen Anerkennung und Würdigung solchen Engagements. Und gerade in einer, nur allzu oft von Egoismus geprägten Ellenbogen-Gesellschaft, in der ehrenamtliches Engagement manchmal sogar als Schwäche mitleidig oder boshaft belächelt wird, braucht es solcher öffentlichen Akte der Würdigung mehr denn je. Das weiß auch Landrätin Zitzmann und hat deshalb schon in den vorangegangenen Jahren diesbezüglich Einiges angeschoben. Neben dem alljährlichen Festakt für verdiente Ehrenamtliche laufen die Bestrebungen zur Einführung einer Ehrenamt-Card, die ihren Trägern finanzielle Erleichterungen bei konkret abrechenbaren Leistungen im ehrenamtlichen Bereich gewährt. Denn es ist auch der Sonneberger Landrätin bewusst, was der schon genannte Staudacher so formulierte: Die Menschen werden sich allerdings nur dann für die Bürgergesellschaft begeistern, wenn ihnen deutlich ist, wie sehr sie damit in ihrem eigenen Interesse handeln, und wenn sie Rahmenbedingungen vorfinden die ihnen bürgerschaftliches Engagement auch ermöglichen. Letztendlich gilt fürs Ehrenamt auch heute noch das, was Johannes Chrysostomus, einer der größten christlichen Prediger, schon vor über anderthalb Jahrtausenden sagte: Das wahre Glück besteht nicht in dem, was man empfängt, sondern in dem, was man gibt.

Von Stefan Löffler, Erschienen im Freien Wort, Ressort Sonneberg Lokal am 03.11.2008