Thüringer des Monats Juni

28.06.2019 13:29

Karla Banz aus Meiningen erhält die Auszeichnung

Es war wohl eine besondere Fügung für beide Seiten, dass die Journalistin aus der früheren herzoglichen Kulturstadt Meiningen das ländliche Kleinod Bauerbach und seine Menschen entdeckt und lieben gelernt hat.

Mit leuchtenden Augen erzählt Karla Banz, dass die Bauerbacher sie von Anfang an fasziniert haben: "Sie waren so offen und begeistert von ihrem Theater, dass sie andere mitgerissen haben." Neben der Arbeit wuchs für Karla Banz die Liebe zu Bauerbach und ihr Engagement für den Schiller-Ort. Mit offenen Armen sei sie hier aufgenommen worden, erzählt sie, "und manchmal habe ich das Gefühl: die haben mich schon adoptiert".

Schnell war für die heute 70-Jährige klar: "Wenn ich in den Ruhestand gehe, habe ich genügend Zeit und werde mich noch mehr hier engagieren." - Und so ist es auch gekommen. Karla Banz hat den Schiller-Verein in Bauerbach mit gegründet und ist seit Jahren in dessen Vorstand aktiv. Und natürlich unterstützt sie in jeder freien Minute das Naturtheater "Friedrich Schiller", das im Sommer vor 60 Jahren gegründet worden war und am 4. Juli sein Jubiläum feiert.

Dazu kommt noch ihr ehrenamtliches Engagement für das kleine Schiller-Museum des Ortes, das gerade von Grund auf renoviert wird. In dem Haus am Ortsrand hatte der junge Friedrich Schiller nach seiner Flucht aus Württemberg für sieben Monate unter dem Pseudonym "Dr. Ritter" gelebt und im Alter von 23 Jahren unter anderem "Kabale und Liebe" und die ersten Kapitel seines "Don Karlos" geschrieben. All das kann Karla Banz den staunenden Besuchern in der ihr eigenen Art ganz anschaulich und authentisch erzählen. "Wenn ich abends noch allein im Haus an meinem Schreibtisch sitze, es draußen langsam dunkel wird und im Nachbarraum eine Diele oder ein Balken knarrt, dann denke ich: da läuft gerade Friedrich Schiller durch das Haus."

Der kleine Ort Bauerbach in der Gemeinde Grabfeld ist auch dank des Engagements von Karla Banz weit über die Grenzen der Region und Thüringens hinaus bekannt - bis nach Japan sogar. Und so ist es fast keine Überraschung, dass zum Jubiläum des Schillertheaters Anfang Juli auch Freunde aus dem ebenfalls kleinen Dorf Osuto bei Kurokawa in der japanischen Präfektur Yamagata, im Norden der Hauptinsel Honshu, zu Gast sein und unter anderem eine Aufführung des No-Theaters präsentieren werden.

Aber nicht nur auf dem Gebiet der Kultur ist unsere Thüringerin des Monats ehrenamtlich engagiert. In Meiningen wirbt sie zudem dafür, dem Brandschutz mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu widmen und Nachwuchs für die Feuerwehr zu gewinnen. Bei ihrem Engagement wird sie von ihrer ebenfalls ehrenamtlich aktiven Familie umfassend unterstützt: Ehemann und Sohn sind bei der Feuerwehr, Schwiegertochter und Enkelkind im Theater Bauerbach, die Tochter und Enkelsohn im Meininger Theater.

Für die Bauerbacher Ortsbürgermeisterin und Vorsitzende des Schillervereins Rosemarie Fickel ist Karla Banz ein Vorbild für ehrenamtliches Engagement. Ihre Auszeichnung soll Wertschätzung und zugleich auch Motivation für andere sein. Gemeinsam mit dem Meininger Bürgermeister Fabian Giesder möchte die Vereinsvorsitzende vor allem würdigen, dass Karla Banz mit ihrer Arbeit ein wichtiges Bindeglied zwischen der Kulturstadt Meiningen und dem kleinen ländlichen Schillerort Bauerbach ist.

Unsere Thüringerin des Monats hat für das Theater und den Ort Bauerbach auch noch einen persönlichen Wunsch: eine regelmäßige finanzielle Förderung aus verschiedenen Töpfen für die Generationen übergreifende Arbeit. Denn die nötigen Mittel für Kostüme, Requisiten und Kulissen könne ein Verein nicht allein selbst erwirtschaften.

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