Thüringer des Monats Mai

29.05.2018 09:21

Unser Thüringer des Monats Mai ist Günther Schmidt aus Spechtsbrunn.

Der kleine Rennsteig-Ort im Landkreis Sonneberg kann sich glücklich schätzen über einen so engagierten Einwohner wie Günther Schmidt. Wer durch den heute zur Stadt Sonneberg gehörenden Ort läuft, kann bestimmt etwas entdecken, das von dem gelernten Porzellanmaler geschaffen oder gestaltet wurde. Dazu gehören rund 70 Schilder mit historischen Hausnamen im gesamten Ort, Hinweistafeln auch in der Umgebung und am Rennsteig, kunstvoll gestaltete Sitzbänke und natürlich ganz zentral und nicht zu übersehen: die denkmalgeschützte Matthäuskirche. Sie wurde Mitte des 18. Jahrhunderts gebaut und im Stil des damaligen „Bauernbarock“ farbenreich mit vielen Bildern und Mustern künstlerisch ausgestaltet. Sie ist heute eine Beispielkirche für die gesamte Region des Thüringer Schiefergebirges und wird oft und gern von Rennsteigwanderern besucht. Acht Jahre hat es insgesamt gedauert, die Kirche zu restaurieren, viel hat die Kirchgemeinde in Eigenleistung dazu beigetragen. Und ganz besonders hat sich Günther Schmidt hierbei engagiert. Mehr als 1000 Stunden war er hier ehrenamtlich tätig, hat das alte Mauerwerk mit abgehackt, den Fußboden entfernt und Holzbalken ersetzt, die vom Schwamm befallen waren. Und natürlich einige der Malereien im Innenraum neu gestaltet, zum Beispiel an den Kirchenbänken.

„Das sind wir unseren Vorfahren schuldig“, erklärt Günther Schmidt. „Die haben vor mehr als 250 Jahren die Kirche mit wenig Mitteln erbaut. Wenn wir jetzt nicht in der Lage wären, sie zu erhalten, dann wäre das eine Schande.“

Seine Ideen für die nächsten Projekte entwickelt der heute 70-Jährige meist im Winter. Dazu gehört auch der „Dichter-Wald“ am Rennsteig. Auf 20 Tafeln stellt Günther Schmidt hier deutsche Dichter mit ausgewählten Werken und Lebensdaten vor. „Die Älteren können hier ihr Wissen auffrischen und die Jüngeren sollen auch einmal kennenlernen, welche berühmten Dichter Deutschland hat. Ich weiß ja nicht, was heute in der Schule noch gelernt wird“, ergänzt er mit einem Schmunzeln. Die Hälfte der Tafeln steht auf thüringischer, die andere Hälfte auf bayerischer Seite. Das Projekt hat der Frankenwaldverein aus dem Nachbarort Tettau in Bayern mit unterstützt.

Sein Wissen überprüfen oder erweitern kann man auch auf den Tafeln mit Tierbildern, die unser Thüringer des Monats für den Naturlehrpfad gestaltet hat.

Und zum Reformationsjubiläum im vergangenen Jahr hatte er sich auch wieder ein besonderes Projekt ausgedacht: sein erstes Theaterstück hat Günther Schmidt während des langen Winters geschrieben – über Martin Luther, teils Historie, teils erfunden. Denn Spechtsbrunn gehört zu den ersten Orten Deutschlands, die evangelisch wurden und: Luther ist hier vier Mal durchgekommen auf der alten Handels- und Heeresstraße zwischen Leipzig und Nürnberg. Die Laientheatergruppe aus dem fränkischen Tettau hat das Stück einstudiert, Günther Schmidt hat die Kulissen selbst gemalt. Aufführung war vor einem Jahr im Sommer auf dem Platz vor der Kirche. „Es war ein großer Erfolg, die Leute waren sehr begeistert“, freut sich der Hobby-Dichter.

Und noch ein weiteres Projekt verbindet ihn mit der Nachbargemeinde Tettau: an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, an der bei allen Rennsteigwanderern bekannten „Schildwiese“ hat Günther Schmidt mitgeholfen, das alte Zollhaus wieder aufzubauen. Ideen für weitere Projekte hat er im Kopf, die will er umsetzen, wenn die Gesundheit weiter mitspielt. Eines steht schon fest: in diesem Sommer wird sein zweites Theaterstück aufgeführt.