Thüringerin des Monats März

29.03.2021 14:39

Susann Seifert aus Altenburg ist unsere Thüringerin des Monats März.

Eröffnet eine Frau mit Dreadlocks einen Sprayerladen... Eine solche Geschichte in Altenburg? Ja: Vor vier Jahren hatte Susann Seifert "ihren Erkenntnismoment", wie sie sagt. Sie band die Dreadlocks zusammen und kündigte nach 19 Jahren den sichern Job in der Stadtverwaltung. Denn sie wollte "ihr Ding" machen. Das allein ist bewundernswert. Was aber draus geworden ist, noch mehr: eine Bürgerbewegung für Altenburg mit vielen wunderbar verrückten und engagierten Leuten.

Düstere Aussichten

Ich durfte Susann Seifert 2010 kennenlernen, bei einem Dreh für das MDR THÜRINGEN JOURNAL. Danach war nicht klar, ob ich sie jemals wiedersehen werde. Denn bei der damals jungen Mutti wurde eine schwere Krebserkrankung festgestellt. Fünf Jahre noch, wenn's gut geht. "Unlängst wurde ich angerufen, ob ich noch lebe. Für die Statistik!", lacht Susann. Susann zeigte mir damals ihre Urne, die sie mit Grafitti bunt gestaltet hat: "Der Tod ist trist genug. Das war meine Art, damit umzugehen." Die Urne steht zum Glück noch immer zu Hause im Schrank. Susann ist eine Kämpferin.


Jetzt folgt sie ihrem Herzensprojekt: will Menschen zum Mitmachen, Leben und Freuen bewegen. Die Mundwinkel und die gute Laune sollen hoch gehen. Gemeckert ist schnell. Etwas selbst bewegen, eine Idee vorantreiben; das ist es, was für Susann Seifert und ihre vielen Mitstreiter das Leben lebenswert macht.


Anträge wuppen

Das ist nicht immer leicht und fängt schon damit an, für Projekte Fördermittel anzuwerben. Die meisten von uns würden nach drei Seiten entnervt den Stift in die Ecke werfen. Doch durch die Erfahrung in der Verwaltung weiß Susann Seifert, wie Gelder akquiriert werden können.
Sie tut neue Finanzquellen auf, wie die Schweizer Drosos-Stiftung. Das Bundesministerium des Innern, Bau und Heimat hatte das "Stadtmensch-Projekt" drei Jahre lang mit 664.000 Euro gefördert . Die Förderung aber läuft Jahresende aus. Dennoch wird es weitergehen. Mit den vielen Altenburgern und ihren Freunden, die sich ehrenamtlich für ein schönes, buntes, gemeinsames Leben in Altenburg einsetzen. Das nächste große Projekt ist das "Stadtmensch-Festival" Anfang Juni. Wenn es stattfinden kann, gibt's drei Tage lang "Bähm!" sagt Susann. Bis dahin ist noch zu tun. Der Verein unterstützt junge Gründer, wie den neuen Friseurladen "Schnitt und Schnittchen". Neben schicken Haaren gibt’s dort künftig Konzerte, Lesungen, Begegnung.


Altenburger Stadtmensch kann übrigens jeder werden, der eine Idee für Altenburg hat und diese umsetzen möchte: "Unsere älteste Mitstreiterin ist Frau Kileni, die ist schon 92", erzählt Stadtmensch Jannek Voos stolz. Auch Oberbürgermeister André Neumann ist großer Fan der Stadtmenschen. Er schätzt, wie sie Altenburg auf ihre Art voranbringen.


Graffis machen graue Wände lebendig

Susann Seifert ist nun Chefin der gemeinwohlorientiertenÖffnet externen Link in neuem Fenster "Alles was geht gGmbH" mit der "Farbküche" auf dem Marktplatz. Gemeinsam mit Graffitikünstler Ralf Hecht steckte sie all ihre Energie in den besonderen Mitmachladen und die vielfältigen Graffitiprojekte. Denn wie sang schon die legendäre Band Keimzeit: "Grafittis machen graue Wände lebendig!" Die Bahnhofsunterführung in Altenburg ist das beste Beispiel. "Über 80 Altenburger haben dort die Spraydosen geschüttelt und gemeinsam etwas Tolles gestaltet - die älteste Teilnehmer war 53."

Woher die dreifache Mama die Energie für all ihre Projekte nimmt? "Das möchte ich auch gern wissen", lacht Jannek Voss, der Susann für die Auszeichnung "Thüringerin des Monats" vorgeschlagen hat. "Jedenfalls ist sie eine mega krasse Frau!" Besser kann man's nicht sagen. Punkt.

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Aktion "Thüringer des Monats"
"Thüringer des Monats" ist eine Aktion von MDR THÜRINGEN und der Thüringer Ehrenamtsstiftung. Seit 1994 wird die Auszeichnung vergeben. Das Engagement von Menschen, die in ehrenamtlicher Arbeit Außergewöhnliches geleistet oder sich in besonderer Weise für Mitmenschen in Thüringen eingesetzt haben, wird hiermit besonders gewürdigt.