Thüringer des Monats Mai

27.05.2021 13:26

Wilfried Rath aus Elgersburg ist unser Thüringer des Monats.

Vor 14 Jahren hat Wilfried Rath einen Verein gegründet - und somit die Existenz der alten Massemühle von Elgersburg im Ilm-Kreis gerettet. Fast zwei Jahre hat es gedauert, die Mühle zu entkernen und wieder in den Gang zu bringen. Normalerweise kann das Denkmal auch besichtigt werden und gibt Einblicke in die frühere Porzellan-Produktion.



Öffnet externen Link in neuem Fenster"Thüringer des Monats" kommt aus Elgersburg
Fast genau vor 14 Jahren, am 23. Mai 2007, hat Wilfried Rath einen Verein gegründet, dessen engagierter Chef er heute noch ist. Dem Verein ist es zu verdanken, dass die alte Massemühle von Elgersburg im Ilm-Kreis nicht verfallen ist. Die beharrliche, handwerklich geschickte und kreative Arbeit der Mühlenfreunde um Wilfried Rath und seine Frau Ute macht es möglich, dass außerhalb von Corona-Zeiten Interessierte das Technische Denkmal besichtigen können.


Technisches Denkmal erinnert an Porzellan-Produktion
So etwas gibt es nur noch selten zu bestaunen in Deutschland. In der Massemühle Elgersburg können Besucherinnen und Besucher die großen Trommeln sehen, in denen Kaolin, Feldspat und Quarzsand über viele Stunden zum so genannten "Schlicker" für die Porzellanherstellung gemahlen wurden. Hinzu kommen Pressen und Rührwerke für die Porzellanmasse – Technik aus dem frühen 19. bis späten 20. Jahrhundert, weiträumig aufgestellt auf zwei Etagen und angesteuert über lange Transmissionsriemen, diverse Wellen und Zahnradgetriebe.


Inmitten der historischen Technik lebt der diplomierte Maschinenbauer Wilfried Rath förmlich auf und erklärt mit leuchtenden Augen die Funktionsweise. Dann lenkt er die Aufmerksamkeit der Besucherinnen und Besucher auf eine kleine Lücke in der Außenmauer. Hier kann man das Rauschen des Kohlbachs gut hören. Der hatte ganz in der Anfangszeit das damalige Wasserrad der Mühle angetrieben. Später folgte eine Dampfmaschine und mit Einzug der Elektrizität ein großer Elektromotor mit zehn Kilowatt Leistung. Der steht heute noch in der Mühle. "Wenn der früh angeschaltet worden ist, dann ging hier überall das Licht aus, erst mal."

Der Anfang hat vollen Einsatz gefordert
Technisch war es zunächst noch recht einfach, die Transmission wieder in Gang zu setzen. Aber dann kamen die großen Herausforderungen. "Wir haben damals schon mit Masken gearbeitet", erzählt die Mitgründerin des Vereins, Ursula Schadow, "weil hier drin so viel Staub war." Ein anderes Gründungsmitglied, Gerald Körner, sagt: "Es sah hier alles aus wie Kraut und Rüben. Wir haben fast zwei Jahre gebraucht, das alles zu entkernen." Und manche große Aufgabe lauerte zunächst im Verborgenen, ergänzt Wilfried Rath: "Als wir unten das Kontor eingerichtet haben, wollten wir eigentlich nur ein paar alte Säcke und Gerümpel wegräumen. Da haben wir festgestellt, dass die Fußbodenbretter und auch die Balken kaputt sind. Und da wird aus einer Wochenendaktion auf einmal eine Jahresaktion, weil man von Grund auf alles neu machen muss."


Ausstellung zeigt viele gesammelte Schätze
Mehr Spaß gemacht hat dann das Sammeln alter Ausstellungsstücke. Denn die Porzellanherstellung war in der Region allgegenwärtig – von Gehren bis Geraberg, von Ilmenau bis Plaue. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Mühle wurde in Elgersburg bis 1984 Porzellan hergestellt, für Laborzwecke und auch für die heimische Kaffeetafel. Viele der Stücke wurden in den bekannten Gipsformen gegossen, andere aber auch aus einer festeren Masse gedreht. Wer etwas übrig hat, von der Sammeltasse bis zur Kaffeekanne, der kann es gern in der Mühle abgeben - lautete ein Aufruf des Vereins.

Eine stattliche Sammlung und eindrucksvolle Ausstellung ist daraus geworden, inklusive einem reich gedeckten Mittagstisch mit kompletten Gedecken und diversen Saucieren und Schüsseln. "Das kennen viele junge Leute gar nicht mehr", sagt Wilfried Rath, und ergänzt etwas abfällig und wohl der Zeit geschuldet: "die meisten kennen ja nur noch das Pappgeschirr vom Schachtelwirt." Manchmal komme aber auch: "Ah, bei Oma war es auch immer so."

Zukunftspläne eng mit der Geschichte Elgersburgs verbunden
Mehr Platz für die Ausstellungen will der 58-Jährige mit seinem Verein in der Massemühle schaffen. Deshalb wird gerade noch ein Raum für die Ortsgeschichte ausgebaut. Das Baumaterial ist bereits geliefert. Neben der Porzellanherstellung der Firma Arnoldi soll es dann auch um das Arnoldsche Obstkabinett mit seiner pomologischen Sammlung und um die Blütezeit Elgersburgs mit seiner Kaltwasserheilanstalt gehen. Projekte hat Wilfried Rath noch genug, hoffentlich dürfen auch bald wieder die Besucher kommen - vielleicht ja zum Tag des offenen Denkmals.