Katharina Herzog ist Thüringerin des Monats März

31.03.2015 11:04

Camburgerin leitet Selbsthilfegruppe für die Augenkrankheit Netzhautablösung

Katharina Herzog mit der Urkunde, die ihr von MDR-Moderatorin Sina Reeder überreicht wurde. Bildquelle: MDR Thüringen

Katharina Herzog aus Camburg im Saale-Holzland-Kreis ist unsere Thüringerin des Monats März.

Die 38-jährige Mutter zweier Kinder leidet an Netzhaut-Ablösung, einer heimtückischen Augenkrankheit. Trotzdem findet sie seit mehr als 10 Jahren die Zeit und die Kraft, anderen Betroffenen mit Rat, Hilfe und Trost zur Seite zu stehen. Im Jahr 2002 hat sie eine Selbsthilfegruppe gegründet, die in Deutschland die einzige Anlaufstelle dieser Art für Menschen mit der seltenen Krankheit ist. Dabei kann jeder betroffen sein – vom Säugling bis ins hohe Alter.

Katharina Herzog war gerade 20 Jahre alt und mitten im Studium für Landschaftsarchitektur, als sich bei ihr zum ersten Mal die Netzhaut ablöste. Und es geschah seitdem immer wieder, zahllose Operationen folgten in den kommenden Jahren. Hinzu kamen Schmerzen und nur noch eingeschränktes Sehvermögen. Katharina Herzog fühlte sich in dieser Zeit von den Ärzten schlecht informiert und allein gelassen. Im Internet suchte und fand sie Betroffene mit einem ähnlichen Krankheitsbild. Zunächst ging es ihr um Erfahrungsaustausch, um Antworten auf viele ihrer Fragen. „Daraus ist dann die Sache gewachsen“, sagt Katharina Herzog, „dass ich mittlerweile diejenige bin, die weiter hilft.“ Ihr Forum Netzhaut-Selbsthilfe hat rund 1300 regelmäßige Nutzer aus dem ganzen deutschsprachigen Raum und darüber hinaus. Unterstützt wird Katharina Herzog unter anderem von Friedrich Wyzyla aus Nordrhein-Westfalen, der sie auch für die Auszeichnung vorgeschlagen hat. „Sie ist trotz ihrer eigenen Probleme immer für andere Menschen ehrenamtlich engagiert. Sie hat für Fragen, Sorgen und Nöte stets ein offenes Ohr und muntert die Betroffenen auf. Für dieses Engagement wollen wir einfach einmal Danke sagen.“

Neben dem Forum im Internet organisiert Katharina Herzog seit 2005 jedes Jahr ein Treffen der Selbsthilfegruppe in Erfurt mit inzwischen 30 bis 40 Teilnehmern, mit Fachvorträgen zum Krankheitsbild und zu Behandlungsmethoden und auch mit psychologischer Beratung. Viele der Teilnehmer kennen sich schon sehr lange, andere kommen mit ihren Fragen neu hinzu. Katharina Herzog sagt über diese Treffen: „Es ist mittlerweile wie eine große Familie. Jeder wird aufgenommen und fühlt sich verstanden.“

Jeder Tag könnte gern ein paar Stunden mehr haben für Katharina Herzog, aber irgendwie schafft sie es, die Selbsthilfegruppe, die kleine Baufirma, die sie gemeinsam mit ihrem Mann leitet, und die Familie mit zweijähriger Tochter und zehnjährigem Sohn unter einen Hut zu bringen. „Es gibt so viele Wege im Leben, man muss nur den Willen und den Mut haben, sie auch zu gehen, anstatt stehen zu bleiben“, schreibt sie auf ihrer Internet-Seite. Und einen großen Wunsch hat Katharina Herzog an Ärzte, Kliniken und die Pharma-Industrie: Die Krankheit, an der sie leidet, kann bisher nur durch Operationen behandelt werden. Sie hofft deshalb darauf, dass auf diesem Gebiet mehr geforscht wird, um zum Beispiel wirksame Medikamente zu entwickeln.

Internetseite des Selbsthilfegruppe: www.netzhaut-selbsthilfe.de